Die „Große Insel-Erlebnistour“ auf Boa Vista

Am Freitag war es nun soweit, wir sollten die „Wüsteninsel“ Boa Vista (zu Deutsch: Schöner Ausblick) mit all ihren Facetten und Sehenswürdigkeiten endlich etwas besser kennenlernen. In voller Vorfreude auf einen spannenden und ereignisreichen Tag wurden wir am vereinbarten Treffpunkt, vor unserem Hotel dem Riu Karamboa, mit absoluter deutscher Pünktlichkeit von unserem Guide Ralf Ellenberger von Baobab Tour abgeholt.

Am Ausflugstag war es leider größtenteils bedeckt, sodass wir doch einige Fotomotive des „schönen Ausblicks“ nicht so einfangen konnten, wie wir es uns erhofft hatten. Andererseits sind wir somit in der sengenden Sonne nicht ganz verbrannt.

Zu Boa Vista zunächst noch einmal ein paar Fakten.

Die drittgrößte Insel der Kapverdischen Inselgruppe ist selbst zum größten teil noch unbewohnt (~21 Einwohnern pro km² – 13000 Einwohner – Stand 2010). Lediglich in Sal Rei, der Hauptstadt mit rund 10000 Einwohnern kommt etwas Stadtflair rüber.

Außer dem Tourismus bleibt den Inseln Sal und Boa Vista eigentlich keine lukrative Einnahmequelle. Salz von den Kapverden, welches einmal sehr begehrt war, welches nun jedoch bestenfalls nur noch im Eigenbedarf oder touristisch genutzt wird, trägt die beiden touristisch erschlossenen Inseln schon lange nicht mehr.

Große europäische Investoren haben seit dem Ausbau des Flughafens (BVC) 2007 die Insel für sich entdeckt. Dementsprechend muss auch auf der noch so verlassenen Insel relativ schnell mit einem massiven Ausbau in Richtung Massentourismus gerechnet werden. Ganz in unserer Hoffnung, dass man aus den Fehlern welche in der Dom.Rep oder den Kanaren oder sonstigen Hochburgen begangen wurden gelernt hat, legen die Einheimischen viel Hoffnung in den für sie aufstrebenden und profitablen Industriezweig.

Nun aber los…

ziegelei

… Los ging es vorbei an der Alten Ziegelei (Fábricia das Chaves) zu den anderen beiden Hotels, (Iberostar und Decameron), um weitere Gäste abzuholen.

Als Fortbewegungsmittel wurde ein landestypischer Allrad-Gelände-Pickup eingesetzt, welcher auf der Ladefläche mit zwei gepolsterten Bänken für insgesamt sechs Personen platz bot. Für die nicht so hart gesottenen gab es zudem für drei Personen die Möglichkeit im Fahrzeug platz zu nehmen.

Wir entschieden uns für die „Open-Air“-Variante.

Fahrzeug

rabil_hauptstrasse

Über wenig bis gar nicht befestigten Wege peilte Ralf als erstes die einstige Hauptstadt Rabil an um uns einen schönen Überblick über die nahegelegene „Oase“ bzw. das „Flussbett“ zu geben.

oase

In den statistisch fünf bis zehn Regentagen im Jahr, welche sich zumeist auf die Herbstmonate konzentrieren und sehr heftig ausfallen können, blüht die Insel hier wahrlich auf. Allerdings sind die Regenfälle meist so stark, dass viele Wege der Insel wahrlich überflutet werden, und die Mobilität und somit auch die Versorgung auf der Insel größtenteils zum erliegen kommt.

Mit dieser kleinen Inselkunde gingen wir dann in eine wirklich traditionelle Töpferei.

Traditionell ? … Ja, sogar so „traditionell“, dass hier riesen Tongefäße gekonnt ohne Drehscheibe oder sonstige technische Hilfsmittel gefertigt werden. Selbst die Tonerde stammt von der Insel und wird ebenfalls ohne technische/elektrische Hilfsmittel zerkleinert. Hier erhält man übrigens die nahezu einzige Möglichkeit den daheimgebliebenen ein authentisches und preiswertes Souvenir von Boa Vista mitzubringen, denn die meisten anderen touristischen Artikel kommen mittlerweile aus Afrika oder gar China.

toepferei

toepferei_2_ofen_aussen

Nachdem wir ebenfalls ein/zwei Mitbringsel erworben hatten, ging es weiter durch sandige Dünen und Wüsten in Richtung der Touristenattraktion schlechthin, dem „Schiffswrack“.

Der Strand Santa Maria. Benannt nach dem Schiffswrack welches dort aus diversen, bis dato immer noch ungeklärten Gründen auf Grund gelaufen seien soll. Der Anblick ist wirklich sehenswert zumal man davon ausgehen muss, dass das Wrack bereits in wenigen Jahren vollständig vom Salzwasser und der Brandung verschlungen sein wird.

schiffswrack_1

schiffswrack_2

Der nächste Anlaufpunkt der Tour war die bereits erwähnte Hauptstadt der Insel „Sal Rei“ (portugiesisch Salz-König). Die ca. 10000 Einwohner zählende „Stadt“ vermittelt das erste Mal auf der Tour ein wenig ziviles Leben auf der Insel. Eine nähere Betrachtung der Straßen und des Hafens verdeutlichen die europäische/portugiesische Prägung während der Kolonialzeit auf Boa Vista.

Neben ein paar kleinen Hotels und Bars findet man auch ein Gymnasium und eine Mittelschule in Sal Rei. Der Ort verbreitet eine faszinierend ruhige Stimmung getreu dem kapverdischen Motto „No Stress“.

Einige kleine Besichtigungen, kurze Einkäufe und interessante Diskussionen mit einigen Senegalesen über deren „Aldi-Märkte“ später ging es weiter. Vorbei an Landschaften welche durch den roten Ton Sand und die schwarzen vulkanischen Kraterreste, in Summe an eine marsähnliche Oberfläche erinnern (Ähnlich wie auf Fuerteventura)

landschaft

Dabei durchqueren wir das malerische Dorf Bofareira. Ein lärmender Stromgenerator am Dorfeingang versorgt die Bewohner halbtags mit Strom. Einige Einheimische, die der sengenden Mittagssonne trotzten, empfangen uns mit einem aufgeschlossenen und netten Lächeln. Eine wunderbare Ruhe und Freundlichkeit, welche einem Touristen auf dieser Insel entgegengebracht wird.

dorf

Der nächste Stopp – Eine relativ kleine, steinige Bucht…

Es war die besagte und oft erwähnte „Hai-bucht“ von Boa Vista. Auf den Spot bezogen war an dem Tag definitiv das Glück mit uns. Gut ein Dutzend Haiflossen ragten gut sichtbar aus dem Wasser.

haiflossen

Ein wirklich spannendes Schauspiel welches einem dort geboten wird. Die Bucht nutzen die Haie als eine Art Entspannungsbecken in dem sie sich nach der anstrengenden Nahrungssuche ausruhen.

Ralf unser Guide ließ es sich nicht nehmen, für uns Kopf und Kragen zu riskieren, um mit der Unterwasserkamera den Versuch zu starten eine Aufnahme anzufertigen. Respekt! 1,2,3 Meter entfernt von Ihm ein Haufen Haie. Leider war aufgrund der Trübung des Wassers nach 1-1,5m auf dem Video nichts mehr zu erkennen, und somit leider auch keine Haie. Schade drum, aber nochmals vielen Dank für den Versuch Ralf, nicht jeder Guide riskiert mal eben „sein Leben J“ für uns.

ralf_haie

Unseren nächsten, durchaus verdienten Stopp machten wir in einem kleinen Dorf Namens Povoação Velha im Süden der Insel. Das ca. 300 Einwohner zählende Dorf zeigt ebenfalls das einfache und bescheidene Leben der Inselbewohner.

neben_restaurant

In einem traditionellen kapverdischen Restaurant, welches wir dort besuchten, gab es doch gleich ein wenig überraschenden heimatlichen Kontakt. Die Chefin persönlich empfängt uns mit einem perfekten Deutsch. Nach ein Paar Jahren der Auswanderung in das schöne Hannover zog es sie doch wieder zurück Richtung Heimat… wer mag ihr das schon verdenken.

Es gab wohlschmeckendes (überwiegend) einheimisches Essen. Das Essen wurde von entspannter, rhythmischer Live-Musik von einheimischen Künstlern begleitet. Das kühle und wohlschmeckende kapverdische Bier machte hier das Erlebnis Rund.

restaurant

Nach einigen hunderten von Höhenmetern auf und abwärts durch die ebenfalls spärlich bewachsene Landschaft des Südens gelangen wir an den wirklich berühmten Santa Monica –„Beach“.

strasse

Ein kilometerlanger weitläufiger Strand an dem außer ein paar Geisterkrabben die pure Einsamkeit wartet. Die weit, und gleichmäßig auslaufenden Wellen und der endlos lange Blick den Strand hinunter laden geradezu ein stundenlange Spaziergänge zu machen. Nicht umsonst taucht dieser Strand immer mal wieder in den Top10 der schönsten Strände der Welt auf.

santa_monica

krabbe_1

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Mit der einsetzenden Abenddämmerung begeben wir uns zu unserem Etappenziel der Wüste von Viana. Leider war es leicht bewölkt aber man sagte uns, man könne bei freiem Himmel in der Nacht mit bloßem Auge die Umrisse der Milchstraße sehen.

Nach einer erneuten Runde „Schuh-voll-Sand“ war der wirklich erlebnisreiche und schöne Ausflugstag dann auch vorbei.

wueste

Unsererseits nochmals ausdrücklich vielen Dank an Baobab Tour und insbesondere Ralf Ellenberger, unseren furchtlosen Guide.

Ebenfalls vielen Dank an die anderen Teilnehmer der Tour und die Geduld bezüglich der ab und an durch uns entstandenen Verzögerungen, weil wir mal wieder den „Kamerahals“ nicht voll genug bekamen.

Fazit

Jedem Besucher, welcher sich für das Reiseziel Boa Vista entschieden hat sollte, sofern auch nur ein hauch an kulturellem oder auch landschaftlichem Interesse besteht, eine solche Tour machen.

Es ist zwar ein anstrengender Tag, aber auch ein ebenso unvergesslicher…

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klippenkunst

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Text: Timo Weuter

Bilder: Timo Weuter

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