Ein Hotel wird renoviert: Das Marriott Frankfurt – Teil 1: Der Muff der 70er

70er-Jahre-Muff vs. Luxuszimmer. So lautete das Motto bzw. die Einladung des Marriott Hotel Frankfurt am vergangenen Wochenende. Die 588 Zimmer des Hotels werden derzeit sukzessive renoviert und wir durften uns den Fortschritt der Bauarbeiten sowie die neuen Zimmer einmal anschauen.

Um den Unterschied aber auch wirklich zu erleben und nicht nur optisch zu sehen übernachteten wir eine Nacht im alten und eine Nacht im neuen Zimmer.  Doch zunächst noch ein paar Worte zum Hotel allgemein. Mit 159 Metern ist das Marriott Frankfurt das höchste Hotel Deutschlands. Und ich kann euch sagen der Blick vom Dach im 46. Stockwerk ist atemberaubend. Man bekommt einen unverbauten Blick auf die Frankfurter Skyline und das zur blauen Stunde war einfach perfekt. Eigentlich die perfekte Location für eine nette Beach Bar über den Dächern Frankfurts?

Neben den besagten 588 Zimmern bietet das Hotel auch noch 25 Tagungsräume sowie den größten Ballsaal (mit Tageslicht) der Stadt, drei Restaurants und einen großzügigen Fitnessbereich. Und hatte ich schon den hervorragenden Ausblick aus dem 46. Stockwerk erwähnt? Aber nun zurück zum Muff der 70er.

Bevor ich überhaupt das Hotel betrat machte ich mir Gedanken, was mich erwarten würde. Denn zwar stammt das Gebäude des Hotels aus den 70er Jahren aber das Hotel selbst ist erst 1989 in die ersten vier sowie in die Stockwerke ab der 26. Etage eingezogen. Somit dürfte das Hotel doch eigentlich den Charme der 90er bzw. späten 80er haben? Zumindest der Eingangsbereich ist offen, modern und hell. Kein Anzeichen von altem Muff. Nach dem schnellen Check-In machte ich mich dann auf in die 28. Etage, Zimmer-Nr. 26. Als die Tür des Fahrstuhls sich öffnete war mir aber bereits klar was mit der Einladung gemeint war. Mir sprang ein grün und gelb gemusterter Teppich ins Auge und brannte sich auf der Netzhaut fest. Es war wirklich ein sehr kräftiges Gelb und Grün. Vor Schreck habe ich gar kein Bild vom Flur gemacht.

Sollte sich der Stil etwa im Zimmer fortgesetzt haben? Ich bog rechts in den Gang ein, suchte mein Zimmer und Steckte die Karte hinein. Baem! Ein fantastischer Ausblick auf die Frankfurter Skyline. Zwar nicht so atemberaubend wie vom Dach, aber dennoch genial.

Einen kurzen Augenblick vergaß ich das zuvor gesehene. Fünf Minuten später dann aber der Blick auf den Boden der Tatsachen. Gelbgrün. Ein Fauxpas, der sich durch das gesamte Hotel zieht. Der Designer der das verbrochen hat muss einen wirklich sehr, nennen wir es speziellen, Geschmack gehabt haben. Umso verwunderlich war für mich, wie sich in einem späteren Gespräch herausgestellt hat, dass es schon der zweite Teppich des Hauses ist, quasi nicht der damalige zum Bau des Hotels sondern jener einer vorherigen Renovierung im Jahr 2001. Vielleicht war der Designer einfach ein Fan der Panama-Amazone? Man weiß es nicht. Aber 2001 hätte so ein Teppich nicht verlegt werden dürfen.

Ansonsten gibt es an dem Zimmer im Grunde genommen nicht viel auszusetzten. Klar, es ist definitiv nicht mehr modern, das beweist schon allein der klobige Röhrenfernseher. Doch dieses laute Brummen der Röhre beim Einschalten war fast schon wieder irgendwie cool. Allerdings nahm der Röhrenfernseher dem Raum auch viel von seiner Größe, Offenheit und Helligkeit. Es wirkte alles etwas enger und der Raum war weniger luftig. Auch der Bettüberwurf, die Vorhänge, das Bild oder der Spiegel waren natürlich schon ein paar Tage älter. Aber man hatte nicht den Eindruck, dass es wirklich abgelebt war. Einfach nur nicht mehr modern und für ein Hotel dieser Kategorie angemessen.

Ebenso zeigte das Bett die Anzeichen neuerer Anforderungen. Es lag nicht etwa an der Matratze oder am Liegekomfort. Sondern der moderne Mensch von heute erwartet neben dem Bett eine Steckdose, sodass er nachts sein Smartphone laden kann und es immer griffbereit neben sich liegen hat. Genauso wie eine fehlende Leseleuchte.

Das Badezimmer wurde auch schon in den Jahren zuvor Erneuert, aber auch hier wird Hand angelegt. Dennoch sieht es nicht schlecht aus und macht immer noch einen guten Eindruck. So bleibt bspw. auch der Waschtisch in den neuen Zimmern erhalten. Jedoch, zu meiner Freude, wird die Badewanne gegen eine Dusche ausgetauscht. Bei einer Verweildauer von nur rund 1,7 Tagen pro Gast wird die Badewanne wohl nur in den seltensten Fällen genutzt worden sein.

Insgesamt werden rund 14.000 Euro in jeden Raum investiert um ihn moderner und wärmer zu gestalten. Kernelemente hierbei sind Betten du Matratzen, Arbeits- und Fernsehmöbel, Sessel, Türen, Schränke, Lampen und ein neuer 42 Zoll LCD Fernseher. Das Zimmer wird also quasi einmal entkernt und neu ausgestattet. Nur ein kleiner Teil bleibt bestehen.

Wir konnten einen Blick hinter die Kulissen werfen und uns einmal alle Abläufe anschauen. Die Zimmer werden Etagenweise abgearbeitet und die Arbeitsschritte sind hier wie an einem Fließband festgelegt. Jede Gruppe weiß was sie zu tun hat und jeder ist nur für einen bestimmten Arbeitsschritt zuständig. Der Umbau geschieht dabei während des laufenden Betriebs. Der Gast merkt davon aber nichts bzw. kaum etwas. Denn laute Arbeiten dürfen nur in einem bestimmten kleinen Zeitfenster durchgeführt werden, in dem die Gäste zum Großteil sich nicht im Hotel aufhalten.

Ihr fragt euch nun wie die neuen Zimmer aussehen? Das werde ich euch im zweiten Beitrag am Montag verraten. Wer allerdings mein Twitter Feed aufmerksam verfolgt hat wird schon das ein oder andere Bild erblickt haben. Für den Rest gibt es hier schon einmal einen Ausblick auf das neue Design sowie das Farbkonzept der Zimmer.

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