Road Trip Tag 4: Der Kampf mit dem wilden Stier

Vor 50 Jahren sagte sich Ferruccio Lamborghini „Das kann ich besser“ und gründete mit Automobili Lamborghini in Sant’Agata Bolognese seine eigene Traumfabrik für Supersportwagen, nur unweit von den Werkstoren von Ferrari entfernt.

Doch es war eine gute Entscheidung, denn Lamborghini blickt heute auf eine einzigartige Automobilgeschichte zurück. Miura, der Countach, der Diablo, der Murciélago und die aktuellen Modelle Gallardo und Aventador stellen die Speerspitze des heutigen Automobilbaus dar. Sie werden als Ikonen geboren, die in ihrem Design und in ihrer Technik immer eine Schritt voraus sind.

Schon immer war es ein Traum diese Leidenschaft für das Automobil, die mit jedem Fahrzeug in Italien gelebt wird, einmal selbst zu erleben. Und so durfte bei unserem Road Trip natürlich ein Halt bei Lamborghini nicht fehlen.

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Zunächst gab es einen Blick in das hauseigene Museum „Museo Lamborghini“, welches sich direkt auf dem Werksgelände befindet. Ein beeindruckendes Bild, das die Sinne so schnell gar nicht in der Lage sind zu verarbeiten. Auf zwei Etagen finden sich Serienfahrzeuge sowie Prototypen und Messefahrzeuge bzw. Showcars und Rennwagen. An den verschiedenen Modellen sieht man sehr schön die Entwicklung der Formsprache in den einzelnen Zeitabschnitten. Von den eher weichen und runden Linien eines Miura, zu den eher eckigen und aggressiven Proportionen eines Countach bis zum heutigen Aventador, der in seiner Formensprache die typischen Gene eines Lamborghini, Kraft und Dynamik, wiederspiegelt. Klare Kanten, präzise geführte Linien und saubere Flächen ergeben ein auf das Wesentliche reduziertes Design.

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Bevor es dem Stier in einer Testfahrt an die Hörner ging und die Gene auf der Straße ausprobiert werden wollten, ging es zunächst in die Geburtsstätte eines jeden Lamborghinis. Mit viel Liebe zum Detail und zum Fahrzeug werden hier die Modelle Gallardo und Aventador gefertigt. Im Vordergrund der Produktion stehen hierbei eine hochwertige Verarbeitung sowie eine bestechende Qualität. Die einzelnen Arbeitsschritte sind großzügig dimensioniert und erlauben somit dem Arbeiter seine Tätigkeiten in Ruhe auszuführen. Ebenso steht die Individualität des Kunden im Vordergrund. Dies zeigt sich besonders in der mannigfaltigen Farbauswahl in der Lackierung oder des Leders. Am Ende der Produktion erfolgt noch eine sehr genau Endkontrolle, die den hohen Qualitätsanspruch sichert.

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Und dann standen SIE da vor der Tür. Ein gelber Gallardo und ein roter Aventador. Umzingelt von einer Schulklasse, die ebenso bewundernd und ehrfürchtig wie ich vor diesen Traumwagen standen. Der Schlüssel steckt bzw. liegt im Handschuhfach. Keyless Go, versteht sich doch von selbst?

Ich öffne die Flügeltüre und schäle mich langsam in den Aventador. Ich darf ihn als ersten bezwingen. Ich schwitze. Nicht nur vor Aufregung und einer Menge Adrenalin. Nein. In der Emilia-Romagna brennt auch gerade die Sonne mit guten 35 Grad auf mich ein. Die Sitze sind sportlich eng. Bei der Sitzposition kommt mir meine Grüße, 1.90 m, etwas in die Quere. Aber es passt gerade noch so. Ich betätige den START Button, der sich wie bspw. in einem Düsenjet unter einer roten klappe befindet. Der V12 hinter mir zündet und entfacht einen brutalen Sound. Das Auto zittert leicht. Der Stier will losgelassen werden.

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Wir verlassen das Firmengelände. Zunächst fuhren wir die Fahrzeuge etwas warm. Nach 20 Kilometern dann freie Bahn. Ein beherzter Zug an die linke Schaltwippe, zwei Gänge zurück. Der V12 faucht. Und nun Vollgas.  Ein wahrer Genuss welch Kraft dieser Motor entfaltet. Er stürmt einfach nach vorne, wie ein Stier auf das rote Tuch. Mit voller Kraft und allen Emotionen. Das ist Fahrfreude pur. Auch das „einfache“ Automatikgetriebe sorgt für ein heftigeres Fahrgefühl. Während andere Hersteller Doppelkupplungsgetriebe verbauen, die den Gangwechsel merklich unterbrechungsfrei vollziehen, hat das Getriebe bei Lamborghini nur eine Kupplung. Das heißt beim Gangwechsel wird ganz normal ausgekuppelt und wieder eingekuppelt, wie man es bei einem normalen Auto macht, nur eben automatisch. Und nun stellt euch vor, dass ihr beim Schalten nicht weich einkuppelt sondern beim Einlegen des Gangs direkt von der Kupplung geht und diese voll reinknallt und der ganze Wagen ruckelt. So fühlt sich das beim Aventador an. Einfach nur pures und authentisches Fahrvergnügen.

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Der Innenraum hat sich mittlerweile schon in eine Sauna verwandelt. Der V12 im Hintergrund produziert eine Menge an Wärme und auch die Klimaanlage habe ich abgeschaltet. Die Lüftung stört nur.

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Und so ziehen wir rund eine Stunde durch die italienischen Landstraßen, bis wir in Bortolani, wie auch schon am Dienstag, eine Osteria bezogen haben und diese dann als Ausgangspunkt für weitere Testfahren gewählt haben. Und auch wie am Dienstag bekam man die positive Aufmerksamkeit der Bevölkerung zu spüren. Die Begeisterung für das Automobil und die Handwerkskunst. Die Bewohner sind stolz auf ihr „Terra di motori“ (Land der Motoren). Keine andere Region der Welt ist so stark geprägt von der Leidenschaft für wohlklingende Hochleistungstriebwerke wie die Emilia-Romagna im Norden Italiens. Kaum irgendwo sonst sind in den vergangenen Jahrzehnten so viele automobile Legenden entstanden.

Nach einer kurzen Stärkung mit Tajarini al tartufo (Pasta mit Trüffeln) ging es dann dem zweiten Stier an den Kragen, dem gelben Gallardo. Auch wenn „nur“ mit 10 Zylindern und weniger Pferdestärken macht er nicht weniger Spaß. Im Gegenteil. Ich fand ihn insgesamt sogar für mich persönlich noch einen Tick besser. Er ist kleiner und leichter und zirkelte sich somit wie ein wendiger Aal durch die italienischen Landstraßen. Die Beziehung zwischen Fahrer und Fahrzeug ist irgendwie noch intimer und noch kompromissloser.

Nicht zuletzt ist der Gallardo auch mit bisher zehn Jahren Produktionszeit das erfolgreichste Modell der italienischen Sportwagenschmiede. Erst kürzlich wurde er optisch ein wenig überarbeitet. Eine neue Front- sowie Heckpartie sorgen für einen noch aggressiveren und sportlicheren Look. Den Innenraum beherrschen allerdings noch die schon fast nostalgischen Instrumente und Displays aus dem Audi Baukasten von vor zehn Jahren. Doch muss ich sagen, dass ich die Instrumente an sich gut finde. Besser als die futuristische Instrumententafel im Science Fiction Stil des Aventador. Aber er ist in dieser Hinsicht wie immer seiner Zeit voraus.

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Und so legte ich noch ein paar weitere Testkilometer zurück und lies die Pferde bzw. den Stier mit mir durchgehen. Eine extreme Erfahrung und ein tolles Gefühl zwei solch exklusive Sportwagen gefahren zu sein. Ich hoffe es war nicht das letzte Mal, denn ich habe „Blut geleckt“. Jedoch muss ich auch eingestehen, dass ich im normalen Alltag meinen Golf bevorzugen würde. Aber für einen Wochenausflug durch die Berge… Doch das muss sicherlich auch in einem historischen Fahrzeug wunderbar sein.

Nach einem Dauerfeuerwerk der Gefühle hieß es dann am Ende des Tages wieder den Schlüssel abzugeben. Vielen Dank an Lamborghini für den einzigartigen Tag.

Und so haben die Kollegen den zweiten Tag aus ihrer ganz persönlichen Sicht erlebt…

Und vielen Dank an dieser Stelle auch noch einmal an unsere weiteren Sponsoren und Unterstützer aus der Industrie: Canon, Pirelli, Shell, Tumi und Vodafone.

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