Alentejo Weinroute – Wein erlebbar machen

In der Vergangenheit hatten wir euch bereits die Reiseregion Alentejo in Portugal vorgestellt. Viele denken bei Portugal direkt immer an die Küstenregion Algarve mit seinen Stränden, doch das Hinterland hat seinen ganz eigenen Reiz. Eine wundervolle Landschaft schmeichelt das Auge, verschiedenste Düfte regen die Nase an und die Ruhe dieser Region lädt einfach zum Abschalten und Entdecken ein und steht im konträren Gegensatz zu den überfüllten Strände der Algarve.

Weiterhin ist das Alentejo für seine vorzüglichen Weine bekannt. Weine? Moment mal. Ja, so habe ich am Anfang auch überlegt. Aus Chile, Spanien, Frankreich oder Deutschland könnte ich unzählige gute Weine aufzählen. Aber aus dem Alentejo? Das Altenjo ist zwar seit jeher einer der führenden Lieferanten für hochwertigen Kork, doch als Weinproduzenten habe ich diese Region bisher weniger wahrgenommen. Aber genau hier finden sich vorzügliche Weine. Es gibt über 200 Produzenten die auf einer Fläche von insgesamt über 10.000ha Wein anbauen.

Das Weinanbaugebiet Alentejos erstreckt sich insgesamt über acht verschiedene Regionen: Borba, Évora, Granja/Amareleja, Moura, Portalegre, Redondo, Reguengos und Vidigueira. Das Klima der Region ist durchgehend warm und sonnig und ist mit über 3.000 Sonnenstunden im Jahr eines der sonnigsten Gebiete Europas.

Dank der intensiven Sonne sind vor allem die roten Trauben sehr ausgeprägt. Hierzu gehören Rebsorten wie Alicante Bouschet, Trincadeira oder Touringa Nacional. Sie alle sorgen für eine fruchtige, oft beerige Note und eine starke Farbe. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ca. 80% der produzierten Weine Rotweine sind.

Über 60 von diesen Produzenten haben sich der sogenannten Alentejo Weinroute angeschlossen. Diese führt weinproduzierende Unternehmen und Tourismus zusammen und bietet damit einen spannenden Einblick. Das Angebot umfasst neben einer fast schon obligatorischen Weinprobe oft auch den Besuch der Weinkellerei oder des Weinbergs. Weiterhin gibt es auch die Möglichkeit bei einigen Produzenten ein Blick in die Produktion zu werfen. Hierzu empfiehlt sich dann ein Besuch im Spätsommer, etwa gegen Ende September zur Weinlese, wenn die frische Erne verarbeitet wird. Wer den ganzen Prozess miterleben möchte, kann sich aber auch bei vielen Produzenten als Erntehelfer bewerben. Neben den Grundtechniken im Schnitt bekommt man auch einen kleinen Einblick, wie hart die Arbeit für einen guten Tropfen Wein am Abend ist. Je nach Qualität des Weines wird aber auch ein Teil der Trauben maschinell geerntet.

Manchen wir an dieser Stelle einen kurzen Sprung zum Ausbau des Weines, der in der Regel entweder in großen Edelstahlgefäßen oder im Fass bzw. in Kombination beider stattfindet. Da Alentejo ein Gebiet der Töpferkunst ist, gibt es hier eine besondere Ausbauform, nämlich im Tongefäß, der sogenannten „Talhas de Barro“. Für einen natürlichen Schutz sind diese Tongefäße, welche bis zu 3.000 Liter fassen, von innen mit Pinienharz versiegelt. Diese besondere Herstellung gibt dem Wein noch eine ganz andere, besondere Note, die man sonst so nicht findet.

Einen Produzenten den ich hier besonders empfehlen kann ist das Bioweingut Herdade dos Outeiros Altos. Dieses stellt sowohl Wein in Tongefäßen als auch im Fass her. Aber dies ist nicht das einzig besondere, dieses mit 6ha eher kleineren Anbaugebietes. Es war die unendliche Gastfreundschaft der Familie, die dies Weingut mit Leidenschaft und Hingabe betreibt. Zudem unterscheidet sich das Anbaugebiet von anderen, denn im Boden besteht vorrangig aus Schiefer, was den Anbau der Reben zunächst erschwerte, dem Wein aber eine ganz besondere Note verleiht. Der Weinberg liegt in Estremoz, abgeschieden und idyllisch.

Bioweingut Herdade dos Outeiros Altos

Eine weitere Empfehlung geht an die Weinkellerei Encostas de Estremoz, welche nicht nur vorzügliche Weine hatte, sondern auch einen wundervollen Ausblick in die Landschaft gewährt.

Blick von der Weinkellerei Encostas de Estremoz

Weniger empfehlenswert fand ich den Besuch einer der größten Produzenten Esporão. Es war weniger persönlich und eher auf Massentourismus abgestimmt. Man wurde schnell abgefertigt und auch die Weinprobe war nicht so gemütlich. Die Krönung war allerdings das Abendessen vor Ort. Obwohl man der größte Weinproduzent in der Region ist, gab es keinen Wein zu trinken. Stattdessen gab es Bier und Sangria, welche aber frisch und sehr köstlich gewesen war.

Zu normalen Weinproben werden meist Brot und Olivenöl sowie typischer Schicken, Salami und Käse zum Essen gereicht. Sonst gab es Stockfisch in 1000 und einer Variation serviert, was mir persönlich überhaupt nicht geschmeckt hat. Die Alternative war dafür umso schmackhafter, Schwarzscheinbacke. Sehr zart und einfach nur lecker.

Typische Weinprobe mit Brot, Olivenöl, Schinken, Salami und Käse

Als Übernachtungsmöglichkeiten für einen Trip bieten sich bspw. das Herdade Do Sobroso – Country House oder das gerade frisch eröffnete Torre de Palma Wine Hotel an. Beide Hotels haben mir sehr gut gefallen, wobei das Torre de Palma durch sein Design und den hohen Anspruch heraussticht. Für ein Stadthotel bietet sich bspw. das Vitória Stone in Évora.

Und um noch einmal auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen, warum der Wein in Deutschland nicht so bekannt ist. Ein Großteil der Produktion wird zum einen im eigenen Land konsumiert und vieles verteilt sich auf portugiesisch sprechende Länder wie Angola oder Brasilien, aber auch die USA, China und Kanada. Hier findet man ihn wenn nur in speziellen Feinkostläden oder Restaurants. Im freien Handel oder selbst im Großmarkt nicht.

Insgesamt kann ich einen Besuch im Alentejo und der damit verbunden Weinroute nur empfehlen. Die Landschaft ist idyllisch und ruhig und die Weine vorzüglich. Die beste Reisezeit ist sicherlich im Spätsommer zur Weinlese. Es ist nicht ganz so heiß und man kann sich zum Teil die Produktion des Weines anschauen. Ich empfehle euch eher kleinere Produzenten auszusuchen, da es hier meist persönlicher ist, man sich mehr Zeit nimmt und man die Leidenschaft spürt.

Alentejo Weinroute

Ich werde auf jeden Fall noch mal wiederkommen, dann aber mit dem Auto, um die Region in Ruhe erkunden zu können und mir auch etwas mehr Wein und Olivenöl mitnehmen zu können.

Wer individuelle und geführte Reisen sucht, der sollte sich zudem vertrauensvoll an Mélanie von Vagar – Alto Alentejo wenden.

Vielen Dank für die Einladung an das Tourismusamt Alentejo und die Alentejo Weinroute.

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2 Comments

  • Hallo Camillo, du hast recht, Portugal wird viel zu oft mit der Algarve gleichgesetzt. Ich kenne die Algarve immer noch nicht und habe statt dessen die Stadt Lissabon und die Insel Madeira kennen und lieben gelernt (und den weltbekannten Madeira-Wein!). Es ist super interessant, mal von portugiesischem Wein etwas zu lesen, wo man in Deutschland meist ja italienischen, französischen oder eben deutschen bekommt. Macht Lust, das Alentejo mal zu bereisen und die Weine dort zu testen! Lieben Gruß, Katrin von ilovetravelling .de

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